Webkunde

Lesenswertes und Lustiges aus meinem Leben im digitalen Labyrinth 

Die Verlage verklagen die Falschen

Schon blöd, wenn man seine Wettbewerber nicht kennt. Die Klage der Verlage gegen die Tagesschau-App hat den falschen Adressaten. Gleiches gilt für Beschwerden bei der EU gegen Google. Auch mit Apps öffentlich-rechtlicher Sender verkaufen die Verlage nicht einen Banner weniger. Bei Google hat noch kein Angestellter eine Reportage oder eine Nachricht verfasst. Echter Wettbewerb erwächst den Verlagen durch Blogger. Der Begriff trifft leider nicht ganz, was ich meine. Doch der Einfachheit halber nutze ich ihn, um Journalisten, Kommunikations-Experten und Menschen, die sich bei einem Thema extrem gut auskennen, zu beschreiben. All diese Menschen veröffentlichen ihr Wissen und ihre Meinung mit einfachen Blogger-Werkzeugen.

Waren noch vor wenigen Dekaden kapitalintensive Druckereien und ein Presse-Vertrieb die Einstiegshürden für Massenpublikationen, sind es heute ein Webspace sowie eine Open Source Software für eine Hand voll Euros. Mit dem stetig wachsenden Publikum im Digitalen, ziehen diese Blogger Aufmerksamkeit von Verlagsangeboten ab. Zwar nutzt eine starke, etablierte Printmarke als Startkapital im Web, doch sie ist kein Garant für langfristigen Erfolg. Wenn die Frage zur Orchideen-Pflege bei einer Google-Suche auf ein Blog und nicht zu einem Verlagstitel führt, dann ist klar, wo beim nächsten Mal die Antwort gesucht wird. Dass nur fünf Prozent der Google-Suchtreffer aus Verlagen stammen, hat bestimmt nichts mit Manipulation seitens Google zu tun. Blogs liefern die relevanteren Antworten. Sie sind näher am Leben der Menschen und kennen die sich ergebenden Fragen zum Thema. Ausserdem beschäftigt sich ein Orchideen-, iPhone- oder Segel-Blogger intensiver mit der Materie, als es eine personell ausgedünnte Redaktion jemals könnte.

Das Zeitalter der Autoren
Würde sich nun der Politik-Experte der Welt, der Auto-Spezialist des stern und der iPhone-Guru der Computer-Bild mit einem Blog selbstständig machen, würden sie über kurz oder lang ihre Leserschaft finden, ganz ohne Verlag. Ich weiss wo von ich schreibe, denn ich blogge als gelernter Wirtschaftsjournalist seit vier Jahren über das iPhone und neuerdings auch über Android und andere Gadgets. Die Leserschaft findet sich, wenn die Artikel Relevanz haben, gleiches gilt für die Werbeeinnahmen. Ohne Akquise kamen Bannerbuchungen aus Deutschland, Frankreich und China. Nur der Umfang der Einnahmen ist bislang ein Problem der Blogger. Meine Webseiten erzielen nur knapp ein Drittel meiner Einnahmen als freiberuflicher Autor. Das sieht in den USA bereits anders aus. Allein die Kaufsummen im Millionenbereich von Seiten wie Techcrunch oder der Huffington Post durch AOL sprechen eine deutliche Sprache. Inhalte sind wichtiger Treibstoff im Web.

Aggregatoren gesucht
Solche Übernahmen werden wir hierzulande wohl kaum sehen. Dafür tut sich einiges auf dem Werbemarkt. Den Werbetreibenden ist es egal, ob sie ihr Publikum auf einer Verlagsseite oder in einem Blog erreichen. Ich bin kürzlich einem vertikalen Werbenetzwerk beigetreten, die themenverwandte Seiten bündeln und durch AGOF und IVW-Mitgliedschaft (Auflagen-TÜV) den Werbekunden Buchungsrelevanz vermitteln.

Würde eine Aggregator nun auch die Inhalte der Blogger sinnvoll bündeln, hätten sie schnell die Relevanz grosser Medienangebote. Eigentlich eine perfekte Aufgabe für die deutschen Verlage, doch eine Realisierung bezweifle ich. Die Verleger sitzen auf einem zu hohen Ross. Sie sehen sich als die Herren der Deutungs- und Distributionshoheit sämtlicher Inhalte. Dass sie die digitale Welt noch nicht verstanden haben, belegen gerade die von Doppelmoral geprägte Debatte um Leistungsschutzrechte sowie die Klagen gegen Google und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Natürlich müssen ARD und ZDF Informationen digital verbreiten können - auch in Form von Apps.

Kostenpflichtige Zeitungs-Apps funktionieren nicht
Die Verlage sind gegen kostenlose Tagesschau- oder heute-Apps, weil sie ihre verkaufen wollen. Ein weiterer Irrglaube. Es werden nur wenige Menschen bereit sein, für Bild-, stern- Welt- und Bunte-Apps zu zahlen. Es wird immer einen Zweiten geben, der die Informationen kostenlos anbietet, mal abgesehen von Nachrichtenagenturen. Insbesondere weil die meisten Absender der Informationen an einer breiten Streuung interessiert sind. Nur für exklusive oder extrem nutzwertige Fachinformationen wird ein Konsument den Geldbeutel öffnen. Derartige Apps lassen sich an zwei Händen abzählen.

App-Store für Artikel
Spinnen wir mal ein wenig: Google ändert plötzlich seine Strategie und agiert als Aggregator für professionelle Bloginhalte. Die Werbeeinnahmen teilt Google mit den Autoren. So ein News-Portal wäre natürlich gleich international. Die Übersetzungstools von Google sind bestimmt bald so weit, dass ein deutschsprachiger Beitrag zur Blumenzucht oder zum Atomausstieg in vierzehn Ländern veröffentlicht werden kann. Entsprechend hoch wäre am Monatsende die Abrechnung für den Autor. Technisch und finanziell wäre ein App-Store für Artikel ein Klacks für Google, Apple oder ein börsennotiertes Facebook.

Was für die deutenden Verlage bleibt: Sie sollten ihr Printgeschäft noch so lange fortführen wie es eben geht, im Digitalen haben sie mit ihrer derzeitigen Haltung kaum eine Chance. Die Geldgeber sollten sich schon mal nach Alternativen umschauen.

Mein BlackBerry funktioniert nicht - und der Apple tut es auch nicht

Google pixelt Häuser nicht richtig bei Streetview

Laut einem Spiegel-Artikel schlampt Google bei der Pixelung von Häusern

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,726954,00.html

Dabei kann das doch jeder selber machen. Hier sieht man, wie es geht.

Werbung in eigener Sache: iPhone-Buch in zwei Rubriken auf Platz 1

Wow, es gibt jetzt schon ein halbes Dutzend vorbestellbare Bücher zum iPad bei Amazon, welches ja erst ab Monatsende in Deutschland verfügbar sein wird. Da sind ja einige Autoren echt flott.

Das habe ich verpennt, gehe aber mit dem schönen Gefühl ins Wochenende, jetzt gerade, in diesem Moment bei Amazon auf Platz 1 in den Buch-Rubriken Mac und iPhone mit meinem iPhone-Buch zu stehen. Vielen Dank, liebe Käufer und Leser. 

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Trigema-Chef nennt Twitterer Idioten und die Welt wäre ohne Internet besser

Kaum ein Unternehmer hat in der deutschen TV-Werbung so einen nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen: Herr Grupp und sein Affe kurz vor der Tagesschau sind legendär. Der stets gut angezogene Trigema-Boss, der nur in Deutschland produzieren lässt, äußert sich in einem – wohl ernst gemeinten Interview – zu Twitter und Internet.

„Twitter ist für mich einfach nur dumm und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten.“, sagt Wolfgang Grupp dem Blog innovativ-in.de. Ohne Internet wäre die Welt besser und auch Karstadt ist deswegen pleite. Eine komische Weltsicht, die der Vertreter der „Ich lasse meine Mails ausdrucken“-Generation da zum Ausdruck bringt.

http://www.innovativ-in.de/blog/2010/05/04/auf-den-punkt-trigema-chef-wolfgang-grupp-zum-web/

Update 7- Mai 2010: Der "Shitstorm", den das Interview ausgelöst hat, war heftig, wohl auch zu heftig für den selbstbewussten Wolfgang Grupp. In einem offenen Brief rudert er gewaltig zurück. Noch bin ich mir nicht sicher, ob das Ganze auf unglaublicher Naivität fusst oder ein viraler PR-Coup war.

http://www.facebook.com/TRIGEMA#!/TRIGEMA?v=app_2347471856

Endlich eine Casting-Show, die Männern gefällt

Bild.de strapaziert seine Leser mit Werbung

Oh je, wie viel Geduld hat ein Leser? Die Bild-Zeitung will es derzeit wirklich wissen. Neulich schiebt eine Sparkassen-Werbung den redaktionellen Inhalt bis auf eine kleine Spalte beiseite. Selbst nach dem Ausfahren auf Normalmaß wirken die dicken Überschriften nur als Beiwerk einer Sparkassen-Seite. Die publizistische Marke scheint im Web nicht mehr wichtig zu sein. Da kann man alles verkaufen und die Zeitung gleich zerknüllen. Ach ja, das tat ein Deo-Spray auch einige Tage später. Das Produkt für Männer mit Silberionen schob die Inhalte einfach beiseite, als ob sie aus Papier wären.

Tolle technische Spielerei, innovative Werbeform, den Kreativen in den Agenturen und der Mediaabteilung des Verlages ging sicher einer ab. Aber die Leser? Die dürfte das einfach nur nerven.

So ändern sich Redensarten: Google before you tweet

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Redemanuskript zu Oettingers Ansprache aufgetaucht

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Der Mann kann also nichts dafür, sein Redenschreiber hat ihm das genau so mit auf den Weg gegeben.

Getreu dem Motto „Wir können alles. Außer Hochdeutsch und Englisch.“

Gefunden bei: Saschalobo

Jeff Jarvis: "Wir müssen im Journalismus radikal Neues probieren"

Ein tolles Interview mit Jeff Jarvis in der FAZ:

Das Verhalten der deutschen Verleger ist bedauerlich. Sie möchten jemanden die Schuld an ihren eigenen Problemen geben. Google sendet ihnen Leser und sie wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Es ist doch nicht die Aufgabe von Google, mit diesen Lesern Geld zu verdienen; es ist die Aufgabe der Verlage. Dieses Verhalten wird kein Problem lösen und den Verlagen langfristig schaden.

http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2010/01/24/jeff-jarvis-wir-muessen-im-journalismus-radikal-neues-probieren.aspx